Dienstag, 7. Februar 2012

Liebeslied ....


Dich sehen,
ist: die Heimat haben!
dich sehen,
ist: zu Hause sein!
alle Sehnsucht ist begraben,
alle Wünsche schlummern ein!

Und ich weiß nichts mehr von draußen,
weiß nichts mehr von Müh und Plag,
und wie einsam es gewesen
und wie freudlos jeder Tag!

Alles ach ist selig schöner
Friede nur und Sonnenschein!
dich sehen,
ist: die Heimat haben!
dich sehen,
ist: zu Hause sein!

Cäsar Otto Hugo Flaischlen


Montag, 6. Februar 2012

Fülle ....


Meine wilde Unrast lief
Irrend auf vielen Wegen,
Bis sie in deinem Schoß entschlief.

Meine Seele war knospender Drang,
Bis sie in deinem Segen
Reife war und Fülle und Klang.

Paul Wertheimer

Sonntag, 5. Februar 2012

Nicht im Vorübergehen ....


Mutwillig sollst Du keine Blume brechen,
Sie wegzuwerfen oder zu zerpflücken;
Sollst einem Mädchen nie von Liebe sprechen,
Willst du sie nicht mit deiner Hand beglücken.

Der Kuß, den dir errötend sie gegeben,
Ein süßrer Mund kann wieder ihn verwehen;
Sie aber fühlt den deinen all ihr Leben:
Es liebt das Weib nicht im Vorübergehen!

Rudolf Knussert


Samstag, 4. Februar 2012

Erwachen ....


Im Rosenbusch die Liebe schlief,
Der Frühling kam, der Frühling rief;
Die Liebe hört' s, die Lieb' erwacht,
Schaut aus der Knosp' hervor und lacht,
Und denkt, zu zeitig möchte' s halt sein,
Und schläft drum ruhig wieder ein.

Der Frühling aber läßt nicht nach,
Er küßt sie jeden Morgen wach,
Er kos't mit ihr früh bis spät,
Bis sie ihr Herz geöffnet hat,
Und seine heiße Sehnsucht stillt,
Und jeden Sonnenblick vergilt.

Hoffmann von Fallersleben

Freitag, 3. Februar 2012

Liebe ....


Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn' Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel
Und schlägt sie ewiglich.

Matthias Claudius

Donnerstag, 2. Februar 2012

Zwei Herzen ....


Wo liebend sich
zwei Herzen einen,
nur eins zu sein in Freud und Leid,
da muß des Himmels Sonne scheinen
und heiter lächeln jede Zeit!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Mittwoch, 1. Februar 2012

Sehnsucht ....


Du bist mein Land,
ich deine Flut,
die sehnend dich ummeeret;
Du bist der Strand,
dazu mein Blut
ohn' Ende wiederkehret.

An Dich geschmiegt,
mein Spiegel wiegt
das Licht der tausend Sterne;
und leise rollt
dein Muschelgold
in meine Meergrundferne.

Christian Morgenstern